Vom Detailhandel ins Schaufenster der Öffentlichkeit: Wie Claudia Stricker ihren Kindheitstraum lebt
Für Claudia Stricker ist es schon als Kind klar, dass sie Buschauffeuse werden will. Sie wächst an der Linie 1 in Schaffhausen auf. Zuerst macht sie dann aber eine Lehre als Verkäuferin im Bébé-Haus Bambi in Schaffhausen und wechselt später zur Migros. Wie überall im Detailhandel werden auch dort viele Bereiche digitalisiert und die Umstellung auf Computerarbeit ist dann nicht länger Claudias Ding. Und so ist es irgendwann nur noch ein kleiner Schritt zum Entschluss, endlich den Kindheitstraum wahrzumachen. Car-Prüfung: «piece of cake». Umstellung ins Schaufenster der Öffentlichkeit: «piece of cake».
Claudia Stricker
- Chauffeuse im Ortsverkehr
- seit 2022 bei den vbsh
- Lieblingslinie: 1 – fährt mit grosser Freude Trolleybus
Für Claudia sind die sozialen Aspekte des Busfahrens ein Kinderspiel. Am besten illustriert die folgende Anekdote ihren Umgang mit Menschen. Eine Mutter mit Kind setzt sich direkt hinter die Fahrerkabine und sagt, dass das Kind möglicherweise laut werde. Kein Problem! Der Bus wird in Bewegung gesetzt, ein Jauchzen hier, ein Schrei da. Oha, laut ist laut! Das autistische Kind kommentiert, was es sieht, und Claudia geht darauf ein, redet mit ihm. Und je länger die Fahrt dauert, desto ruhiger wird der Bub. Claudia hat es verstanden ein Band zu knüpfen, das bis heute hält: Wann immer der Bub sie sieht, winkt er ihr zu!
Frauenpower im öffentlichen Verkehr
Der Frauenanteil im Fahrdienst liegt im Ortsverkehr bei gut zehn Prozent, im Regionalverkehr beträgt er knapp fünf Prozent. Diese Quote ist noch tief, denn im Vergleich mit anderen öffentlichen Transportunternehmen liegen die vbsh damit unter dem Durchschnitt. Rund 30 Prozent der Mitarbeitenden im Fahrdienst in der Schweiz sind Frauen (Quelle: Angestellte Schweiz, 2024). Mit der Schiene sieht der Vergleich etwas besser aus: Im Jahr 2022 sind nur gerade sechs Prozent der knapp 3000 SBB-Angestellten in den Führerständen der Personenzüge Frauen (Quelle: Tages-Anzeiger). In Deutschland beträgt die Quote der weiblichen Schienenfahrzeugführer im selben Jahr gar nur 5,2 Prozent.
Alles fährt Bus. Über 13,6 Millionen Fahrgäste haben die vbsh 2024 mit knapp 70 Bussen befördert. Aber wer kennt einen Buschauffeur persönlich? Wer eine Chauffeuse? Die Mitarbeitenden im Fahrdienst bilden den Kern der vbsh-Belegschaft. Wer sich eignet, einen Bus im Linienverkehr zu fahren, wer das mit viel Freude macht und warum – in der Serie «Die Welt hinter dem Steuer» geben vier Beispiele Einblick ins Cockpit.
Wenn der Leiter Betrieb, Marcel Seelhofer, und sein Team neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Fahrdienst auswählen, ist der erste Eindruck entscheidend. Eine gepflegte Erscheinung, sicheres Auftreten und Pünktlichkeit geben Rückschlüsse auf eine zuverlässige Arbeitsweise. Aspirantinnen und Aspiranten sind im Besitz der Führerausweiskategorie D (Car) und haben im Idealfall bereits Erfahrung am Lenkrad eines Linienbusses. Gute Deutschkenntnisse sind wichtig, ebenso ein hohes Mass an Selbständigkeit und eigenverantwortliches Handeln.
Die Arbeit hinter dem Lenkrad verlangt auch eine gute Portion Flexibilität. Denn Schichtarbeit und Sondereinsätze – zum Beispiel bei Bahnersatz – haben unregelmässige Arbeitszeiten zur Folge. Dienste von früh bis spät oder im Turnus auch am Wochenende bringen aber auch Vorteile mit sich – so hat man oft unter der Woche frei und bei Frühdienst schon um 13 Uhr Feierabend – Zeit für Familie, Freunde und Hobbys.