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Willi Bergmann schaut aus dem Depot
#Magazin | 09. Juli 2026

Wenn Not am Mann war, fuhr Willi Bergmann auch selbst

98 Jahre alt, geistig hellwach – und mit trockenem Humor, der sofort wirkt: Willi Bergmann hat 46 Jahre im öffentlichen Verkehr gearbeitet und die Schaffhauser Verkehrsbetriebe geprägt. Nicht mit grossen Worten, sondern mit Haltung – und der Selbstverständlichkeit, im Notfall selber einzuspringen.

Willi Bergmann schult die Mitarbeitenden der vbsh.
Als Bürochef und Leiter der kommerziellen Dienste prägte Willi Bergmann die Verkehrsbetriebe.

Er wohnt noch immer in einer Mietwohnung in einem Mehrfamilienhaus auf der Breite. Einen Lift gibt es nicht. Die Treppe nimmt er täglich, Schritt für Schritt, ohne Aufhebens. Wer ihm zuhört, spürt schnell: Da spricht keiner, der sich selbst ins Zentrum stellt. Sondern jemand, der sein Leben lang die Sache wichtiger genommen hat als die eigene Person.

46 Jahre im Dienst des öffentlichen Verkehrs

Willi Bergmann, Jahrgang 1928, hat den ÖV nicht nur als Beruf ausgeübt, sondern als Haltung gelebt. Nach ersten Jahren bei den Vereinigten Bern-Worb-Bahnen und der Emmental-Burgdorf-Thun-Bahn kam er 1953 als Betriebsbeamter nach Schaffhausen – zur damaligen Strassenbahn Schaffhausen (SchSt) und zur Verbindung Schaffhausen–Schleitheim. Nach einem Zwischenhalt bei der Birsigtalbahn in Basel entschied er sich 1963 endgültig für die Schaffhauser Verkehrsbetriebe, wo er bis zu seiner Pensionierung blieb. Bald schon wurde er Leiter der kommerziellen Dienste und Bürochef – eine Funktion, in der Verlässlichkeit, Genauigkeit und Menschenkenntnis zählen.

«Damals trug man auch im Büro Uniform», erzählt er. Und man spürt sofort, dass das für ihn Teil des Selbstverständnisses war: «Ich gehöre zum Betrieb». Und wenn Not am Mann war, blieb er nicht hinter seinen Akten – er fuhr. Dass im kleinen Team der Betriebsführung jeder für jeden einspringen konnte, war ihm so wichtig, dass er 1967 sogar die Trolleybusprüfung ablegte. Nicht als Prestige, sondern weil es sinnvoll war.

Das letzte Tram – und ein Bahnhof voller Erinnerungen

Unvergessen bleibt die Fahrt des letzten Trams von Neuhausen am Rheinfall nach Schaffhausen. Bergmann begleitete sie – und am Bahnhof Schaffhausen musste er, unterstützt von der Polizei, dafür sorgen, dass das Fahrzeug nicht gleich «zerlegt» wurde: Manche wollten sich ein Erinnerungsstück abschrauben. Er regelte die Situation wohl auf die ihm eigene Art: Nicht laut, nicht eitel, einfach präsent.

Ich musste verhindern, dass der Wagen für Souvenirs ‘zerlegt’ wurde.

Willi Bergmann heute
Willi Bergmann Leiter der kommerziellen Dienste und Bürochef vbsh, 1953-1992
Willi Bergmann schult das Personal zum Tarifverbund Flextax
Pflichtbewusst, unaufgeregt – und mit einem Augenzwinkern: Willi Bergmann.

Für Neues war er stets offen. In seinen letzten Berufsjahren machte ihm besonders die Arbeit im Rahmen des Tarifverbundes Schaffhausen Freude – weil dort nicht nur Zahlen und Regeln zusammenfanden, sondern auch Fairness, Verständlichkeit und Kundennähe. Seine Initiative und sein Engagement haben viel zum guten Ruf der Verkehrsbetriebe und der Autoverbindung Schaffhausen–Schleitheim beigetragen.

Dass diese Verbundenheit keine Nostalgie ist, zeigt sich bis heute. Er bezeichnet sich selbst als «Fan» der Verkehrsbetriebe und schaut noch heute bei der Ticketeria vorbei. Jedes Jahr löst Bergmann sein Jahresabo, fährt regelmässig in die Stadt – und kehrt wieder heim auf die Breite, den Berg und die Treppe hoch, ohne Lift.

Und dann blitzt nochmals sein Schalk auf, gebündelt in einem Satz: Als ihn sein Chef einmal darauf ansprach, dass er während der Arbeitszeit zum Coiffeur gehe, meinte Bergmann trocken: «Die Haare wachsen ja auch während der Arbeitszeit.» Genau so ist er: pflichtbewusst, unaufgeregt – und mit einem warmen Augenzwinkern, das einem nach dem Gespräch bleibt.

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Ticketeria am Bahnhof Schaffhausen

Montag bis Freitag: 08.00-18.00 Uhr
Samstag: 09.00-13.00 Uhr  
An Sonn- und Feiertagen geschlossen

+41 52 644 20 20    E-Mail senden

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