Wie die vbsh in der E-Werkstatt ihre Busflotte am Laufen halten
Marco Leu, Leiter Technik, kennt seinen Fuhrpark wie kein anderer. Anders als bei der Bahn, wo Züge 25 bis 30 Jahre im Einsatz stehen, erreichen Busse ihr Lebensende in der Regel nach 14 bis 16 Jahren – je nach Antriebsart. Hauptgrund für die kürzere Einsatzzeit ist die Korrosion. Wasser und Salz sind dabei die Hauptschädlinge. Die Busse der vbsh legen im Orts- und im Regionalverkehr pro Jahr bis zu 100'000 Kilometer zurück. Das sind weit über eine Million Kilometer über die gesamte Lebenszeit.
Um die Fahrzeuge betriebssicher zu halten, sind kontinuierliche Wartungs- und Reparaturarbeiten durchzuführen. Dabei liegen bei Diesel- und Elektrobussen aufgrund ihrer verschiedenen Antriebstechnologien die Arbeitsschwerpunkte – um nicht zu sagen Schwachpunkte – etwas anders. Dieselbusse haben ein komplexes Abgassystem. Abgassensoren und Partikelfilter beispielsweise müssen laufend überwacht werden. Der Dieselmotor und das Automatikgetriebe können mit der Zeit undicht werden. Ölverlust ist die Folge.
Elektrobusse werden von einem «simplen» Motor angetrieben und die Irizar-Busse haben kein Getriebe. Der Fokus der Arbeiten liegt daher mehr auf dem Stromabnehmer (Pantograf), generell den Hochvoltkomponenten sowie der Kälte- und Wärmetechnik. Da Abwärme vom Verbrennungsmotor fehlt, muss Wärme zusätzlich erzeugt werden. Auch die Batterien haben ein eigenes, unabhängiges Thermomanagement. Der Pantograf macht im Verbund mit den Hochvoltbatterien, dem Inverter, dem Elektromotor und den Ladegeräten das E-Bus-System aus.
Neben den Fahrzeugen verantwortet Marco Leu zudem die Depotinfrastruktur. Dazu gehört auch die betriebsinterne Lackiererei. Die Durchführung von Spengler- und Lackierarbeiten ist ein gutes Beispiel für das Spannungsfeld, in dem sich Entscheidungen in der Fahrzeugtechnik und der dafür benötigten Infrastruktur bewegen. Betriebssicherheit, Qualität und Kosteneffizienz sind die massgebenden Faktoren. Denn Entscheidungen über Reparaturtiefe, Auftragsvergabe – inhouse oder externe Vergabe – haben direkte Auswirkungen auf Budget, Verfügbarkeit und Lebensdauer der Fahrzeuge.
Checkliste Service und Reparaturen
Service und Wartungsintervalle werden – ähnlich wie bei Personenwagen – auch bei Bussen im öffentlichen Verkehr stetig verlängert. Mechanische Servicearbeiten nehmen ab, jedoch steigt mit der Digitalisierung der Fahrzeuge die Komplexität in der Fahrzeugdiagnose. Aufgrund der grossen Laufleistung und der hohen Anforderungen im öffentlichen Verkehr an Sicherheit und Pünktlichkeit sind sowohl Diesel- als auch Elektrobusse häufiger in der Werkstatt als Privatwagen. In aller Regel werden an jedem Bus zwei bis drei Services pro Jahr durchgeführt.
Mechanische Arbeiten oder Einstellungen an den Bremsen, am Fahrwerk, an den Türsystemen, an den Umsystemen wie etwa der Fahrgastinformation oder die Vorbereitung auf die bei Bussen jährlich obligatorische Motorfahrzeugkontrolle sind nahezu identisch.
Wesentliche zusätzliche Service- und Wartungsarbeiten an Dieselbussen, die beim Elektrobus entfallen, sind folgende:
- Motorrevisionen und Austausch des Automatikgetriebes (in der Regel je einmal während der Lebensdauer eines Busses)
- Abgasnachbehandlungsanlage
- Öl- und Filterwechsel am Motor sowie am Automatikgetriebe
- Einstellung des Ventilspiels
- Austausch des Dieselpartikelfilters
- Wartung der Standheizung
Wesentliche Service- und Wartungsarbeiten an Elektrobussen hingegen sind:
- Stromabnehmer: Elektrokontakte müssen sauber gehalten werden, um den Ladevorgang sicherzustellen, Prüfung und Einstellung der Anpresskraft
- Batterien: u. a. Öffnung der Batterien, um elektrische Verbindungen, Befestigungen, Sauberkeit und Dichtheit zu überprüfen
- Klimakompressoren: Mehraufwand bei Gelenkelektrobussen – drei Klimakompressoren auf dem Dach anstelle von einem bei Dieselbussen
Die neue Elektrowerkstatt
Arbeiten an den Batterien können die vbsh weitgehend selbst ausführen. Dafür wurde im Depot Ebnat auf der Galerie eine Elektrowerkstatt eingerichtet. Die Ausrüstung besteht aus vollisoliertem Hochvoltwerkzeug, Schutzkleidung, einem Hubarbeitstisch, Messwerkzeug, Diagnosegeräten, einem Hallenkran für grosse Lasten und einer Servicestation für die Arbeiten an den Wärmepumpen – einer effizienten Technologie zur Beheizung und Klimatisierung.
Mit dem Hallenkran werden zu reparierende Batterien vom Dacharbeitsplatz aus direkt auf den Hebetisch gehievt. Der Zugang zur Elektrowerkstatt ist berechtigungsgesteuert und daher bewusst eingeschränkt. Das sorgt für eine ruhige Arbeitsumgebung, was insbesondere bei Arbeiten an und in der Hochvoltbatterie wichtig ist. Bei Hochvoltsystemen gelten strengere Sicherheitsvorschriften. Aus gesetzlichen Gründen müssen diese Tätigkeiten stets von zwei Personen ausgeführt werden. Darum befindet sich auch ein Defibrillator in nächster Umgebung.
Auf Winterreifen durchs ganze Jahr
Im eigenen Reifencenter mit Hochregallager führen die vbsh alle Reifenarbeiten im Depot Ebnat durch. Grundsätzlich werden auf allen Bussen im Herbst Neureifen montiert, und zwar Winterreifen. So fahren sie mit neuem Profil durch den Winter und dann durch den grössten Teil des Sommers. Bei einem Gelenkelektrobus beträgt die Laufleistung pro Reifen circa 60'000 Kilometer – je nach Achse liegt sie etwas darüber oder darunter. Sobald das Reifenprofil in die Nähe des erforderlichen Minimums kommt, wird ein neues Profillaufband – ein zweites Leben – auf die Karkasse aufgezogen und der Reifen auf einer weniger belasteten Mittelachse eingesetzt.
Reinigung – prägend für die Wahrnehmung
Im Jahr 2025 haben die vbsh die Fahrzeugreinigung neu ausgerichtet. Das Ziel: mehr Busse täglich besser reinigen und den Arbeitsplatz der Wagenreiniger sicherer machen. Die Fahrzeugreinigung erfolgt neu am Stellplatz und nicht mehr parallel zum Einsatz des zuständigen Depotdienstmitarbeiters. Die Entkoppelung der beiden Arbeitsabläufe ermöglicht eine standardisierte Durchführung der Reinigungsarbeiten und stellt sicher, dass bei allen Fahrzeugen gleichbleibend hohe Qualitätsstandards eingehalten werden. Die nächtliche Fahrzeugreinigung führt zu einer verbesserten Fahrzeugverfügbarkeit am Tag und erhöht so die betrieblichen Ressourcen für Sondereinsätze. Auch tragen die Massnahmen wesentlich zu einem gepflegten Erscheinungsbild des Fahrzeugparks bei.
Neu werden durchschnittlich 35 Busse pro Nacht gründlich gereinigt – das ist die Hälfte der gesamten Flotte. Gereinigt werden der Fahrgastraum und der Fahrerarbeitsplatz – es wird gesaugt und nassgewischt und es werden alle Fenster gereinigt. Die übrigen Fahrzeuge werden besenrein auf die nächste Fahrt geschickt. Spezialarbeiten werden pro Bus und Jahr einmal durchgeführt. Dazu gehören unter anderem die Tiefenreinigung der Fahrgastsitze oder die Reinigung der Deckenflächen und Beleuchtungseinheiten.
Herausforderung Zukunft
Um auch künftig qualifizierte Fachkräfte in der Werkstatt zu haben, bilden die vbsh kontinuierlich Nachwuchs aus. Per Ende 2025 stehen vier Lernende als Automobilmechatroniker EFZ mit der Fachrichtung Nutzfahrzeuge im Dienst der vbsh. Die Lernenden der Generation Z erleben dabei ein Déjà-vu. Sie wuchsen als Erste in ihrer Jugend vollständig mit dem Mobiltelefon auf. Nun wachsen sie als Erste mit der Elektromobilität in ihre berufliche Zukunft!