125 Jahre unterwegs für Schaffhausen: Von der Strassenbahn zum Elektrobus
Als Ende des 19. Jahrhunderts in Schaffhausen über eine elektrische Strassenbahn diskutiert wurde, hatten andere Schweizer Städte längst vorgelegt. Doch in Schaffhausen dauerte es, bis aus den ersten Anregungen konkrete Beschlüsse wurden. Bereits 1888 wurde im Grossen Stadtrat die Prüfung einer Tramverbindung zwischen Schaffhausen und Neuhausen angeregt.
Es folgten Projekte, Kostenschätzungen und politische Diskussionen – bis die Einwohnergemeinde Anfang 1900 dem Bau zustimmte. Dann ging alles erstaunlich schnell: Noch im selben Jahr begannen die Bauarbeiten, am 13. April 1901 konnte die erste Fahrt von Neuhausen nach Schaffhausen unternommen werden und am 11. Mai 1901 wurde die Strecke Schaffhausen – Neuhausen feierlich eröffnet. Wenige Wochen später rollte auch das Tram zur Breite.
Aufbruch ins elektrische Zeitalter
Die neue Strassenbahn war ein Zeichen des Fortschritts. Elektrisch betrieben, mit geschlossenen Plattformen zum Schutz des Personals, gehörte sie zu den modernen Anlagen ihrer Zeit. Schaffhausen zählte damals rund 23 000 Einwohnerinnen und Einwohner, Neuhausen etwa 3900.
Neue Quartiere wie die Breite oder der Emmersberg entstanden, das Industriegebiet Ebnat war in Planung. Die Strassenbahn verband Bahnhof, Altstadt, Rheinfall und Industriegebiete – sie war Motor der Stadt- und der Wirtschaftsentwicklung.
Schon bald folgten Erweiterungen: 1905 wurde durch die Strassenbahn Schaffhausen – Schleitheim (StSS) die Strecke nach Schleitheim eingeweiht. 1911 erreichte das Tram das Industriegebiet Ebnat und den Waldfriedhof, 1913 folgte die Linie ins Birch zu den Stahlwerken. Auch der Gütertransport spielte eine Rolle. Das Tram war nicht nur Personen-, sondern zeitweise auch Industrieverkehrsmittel.
Eine Fahrt war allerdings kein Schnäppchen: 20 Rappen kostete die Strecke vom Bahnhof nach Neuhausen. Zum Vergleich: Ein Kilogramm Brot kostete 30 Rappen, ein Arbeiter verdiente rund 40 Rappen pro Stunde. Mobilität war wertvoll – und wurde geschätzt.
Zwischen Wachstum und Grenzen
Trotz anfänglicher Erfolge war die Ausbauphase bis 1915 weitgehend abgeschlossen, die Erfolgsgeschichte begrenzt. In den folgenden Jahrzehnten veränderten sich das Umfeld und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen grundlegend.
Nach dem Ersten Weltkrieg nahm der motorisierte Individualverkehr zu, neue technische Möglichkeiten entstanden, Strassen wurden breiter, das Auto gewann an Bedeutung. Bereits 1928 wurde die Breite-Linie durch einen Autobusbetrieb ersetzt. 1957 endete der Personenverkehr auf der Linie Bahnhof – Mühlental – Birch.
Die Diskussion um die Zukunft der Strassenbahn spitzte sich in den 1950er- und 1960er-Jahren zu. Neue Tramwagen wären nötig gewesen, doch Investitionen erschienen angesichts veränderter Mobilitätsbedürfnisse fraglich. 1964 beschlossen die Stimmbürger mit deutlicher Mehrheit die Einstellung des Strassenbahnbetriebs. Zwei Jahre später war es so weit: Am 23. September 1966 fuhr das letzte Tram durch Schaffhausen.
Ein neues Kapitel: Der Trolleybus
Der Abschied vom Tram war für viele mit Wehmut verbunden – zugleich herrschte Aufbruchstimmung. Bereits am 24. September 1966 nahmen zehn gelbe Trolleybusse den Betrieb auf. Sie hielten direkt am Trottoir, brauchten keine Schienen und versprachen mehr Sicherheit im Strassenraum.
Das Trolleybusnetz wurde in den folgenden Jahren ausgebaut. 1971 brachte die Verlegung der Abgangsstation vom «Adler» an die Bahnhofstrasse eine wesentliche Attraktivierung. Linienverlängerungen nach Neuhausen Herbstäcker und ins Herblingertal in den Folgejahren stärkten die Erschliessung neuer Wohn- und Industriegebiete.
Alle Busse unter einem Dach
Bis zur Inbetriebnahme des Depots im Ebnat im Jahr 1987 war der Betrieb der Schaffhauser Verkehrsbetriebe auf mehrere Standorte verteilt. Der Trolleybusbetrieb war seit seiner Einführung 1966 weitgehend an die bestehende Infrastruktur des ehemaligen Tramdepots gebunden. Die Anlagen beim heutigen Feuerwehrzentrum dienten als Garage und Werkstatt für die Trolleybusse. Die Einrichtungen waren jedoch ursprünglich für den Trambetrieb konzipiert worden.
Der Autobusbetrieb war durch die Firma Rattin organisiert. Für die Dieselbusse bestanden eigene Abstellmöglichkeiten – etwa bei der Kammgarn. Wartungsarbeiten mussten teilweise an unterschiedlichen Orten durchgeführt werden und auch die betrieblichen Abläufe waren entsprechend fragmentiert. Deshalb war der Neubau des Depots im Ebnat ein Meilenstein.
Erstmals wurden Trolley- und Autobusbetrieb unter einem Dach vereint. Werkstätten, Verwaltung und Garagierung konnten zusammengeführt werden – ein Schritt hin zu einer einheitlichen Betriebsführung. In den 1990er-Jahren wurde diese Zusammenlegung organisatorisch konsequent weitergeführt.
Mit neuen Gelenkbussen, ersten Busspuren und stetigen Fahrplananpassungen reagierten die Verkehrsbetriebe auf das Wachstum der Stadt und der Industriebetriebe. Der öffentliche Verkehr entlastete die Innenstadt vom Autoverkehr und ermöglichte Mobilität für alle.
Vom Stadtbetrieb zur regionalen Einheit
Zu Beginn des Jahrtausendwechsels rückte die Vision eines «öffentlichen Verkehrs aus einem Guss» in den Vordergrund. Stadt- und Regionalverkehr sollten enger zusammenarbeiten. 2018 stimmte die Bevölkerung der Zusammenführung von städtischem und regionalem Busbetrieb zu. 2019 wurde die neue öffentlich-rechtliche Anstalt gegründet. Seither treten Stadt- und Regionalbuslinien unter einer gemeinsamen Marke auf: vbsh – ganz nach dem Motto «ein Unternehmen und alles unter einem Dach».
Elektrifizierung – zurück zu den Wurzeln
Ein besonders bedeutender Schritt erfolgte mit der Elektrifizierungsstrategie. Bereits 2017 gab das Stadtparlament grünes Licht für die Planung einer vollständig elektrischen Stadtbusflotte. 2019 sagte auch die städtische Bevölkerung Ja zur Beschaffung der Elektrobusse und zur notwendigen Ladeinfrastruktur. Damit begann eine neue Ära.
Die Einführung der Elektrobusse knüpft an die elektrische Tradition von 1901 an. Was einst mit dem Tram begann und über Jahrzehnte im Trolleybus weiterlebte, findet heute in modernen Batterie- und Schnellladesystemen seine zeitgemässe Form. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2025 verabschiedeten sich die letzten Trolleybusse aus dem regulären Betrieb.
Eine Geschichte, die weitergeht
125 Jahre vbsh sind 125 Jahre Stadtgeschichte. Von den ersten Gleisen über Diesel- und Trolleybusse bis hin zu autonomen Fahrzeugen und Elektrobusflotten spiegeln die Verkehrsbetriebe die Entwicklung von Schaffhausen wider. Sie haben wirtschaftliche Veränderungen, Kriege, technische Umbrüche und gesellschaftliche Debatten begleitet – und sich stets weiterentwickelt.
Die vbsh verbinden Quartiere, Gemeinden und Generationen. Sie verbinden Menschen mit ihren Zielen und stärken den Wirtschafts- und Lebensraum.
Heute sorgen rund 270 Mitarbeitende dafür, dass täglich tausende Menschen zuverlässig an ihr Ziel gelangen. Sie arbeiten am Steuer, in der Werkstatt, für die Reinigung, in der Planung, in der Ticketkontrolle, im Büro oder im Kundendienst. Ohne ihr Engagement wäre diese Erfolgsgeschichte nicht möglich.