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Bahnhofstrasse im Januar 1957
Bild: Stadtarchiv Schaffhausen
#Magazin | 05. April 2026

125 Jahre unterwegs für Schaffhausen: Von der Strassenbahn zum Elektrobus

Seit 1901 prägen die vbsh die Mobilität in Schaffhausen. Von den ersten Tramgleisen bis zur elektrischen Busflotte haben sich die vbsh zusammen mit Stadt und Region gewandelt – eine Geschichte voller Aufbruch, Umbrüche und neuer Perspektiven.

Als Ende des 19. Jahrhunderts in Schaffhausen über eine elektrische Strassenbahn diskutiert wurde, hatten andere Schweizer Städte längst vorgelegt. Doch in Schaffhausen dauerte es, bis aus den ersten Anregungen konkrete Beschlüsse wurden. Bereits 1888 wurde im Grossen Stadtrat die Prüfung einer Tramverbindung zwischen Schaffhausen und Neuhausen angeregt. 

Es folgten Projekte, Kostenschätzungen und politische Diskussionen – bis die Einwohnergemeinde Anfang 1900 dem Bau zustimmte. Dann ging alles erstaunlich schnell: Noch im selben Jahr begannen die Bauarbeiten, am 13. April 1901 konnte die erste Fahrt von Neuhausen nach Schaffhausen unternommen werden und am 11. Mai 1901 wurde die Strecke Schaffhausen – Neuhausen feierlich eröffnet. Wenige Wochen später rollte auch das Tram zur Breite.

Erste Strassenbahn Schaffhausen - Neuhausen
1901: Die erste elektrische Strassenbahnlinie eröffnet zwischen dem Bahnhof Schaffhausen und Neuhausen am Rheinfall. (Bild: Stadtarchiv Schaffhausen)

Aufbruch ins elektrische Zeitalter

Die neue Strassenbahn war ein Zeichen des Fortschritts. Elektrisch betrieben, mit geschlossenen Plattformen zum Schutz des Personals, gehörte sie zu den modernen Anlagen ihrer Zeit. Schaffhausen zählte damals rund 23 000 Einwohnerinnen und Einwohner, Neuhausen etwa 3900. 

Neue Quartiere wie die Breite oder der Emmersberg entstanden, das Industriegebiet Ebnat war in Planung. Die Strassenbahn verband Bahnhof, Altstadt, Rheinfall und Industriegebiete – sie war Motor der Stadt- und der Wirtschaftsentwicklung.

Auto- und Tramverkehr auf der Bahnhofstrasse Schaffhausen,1966
1966 teilten sich Tramwagen und Automobile zum letzten Mal die Bahnhofstrasse. Wenige Monate nach dieser Aufnahme war das Strassenbild für immer verändert – die Trolleybusse übernahmen, und die Gleise verschwanden aus dem Schaffhauser Strassenbild. (Bild: Bruno und Eric Bührer / Stadtarchiv Schaffhausen)

Schon bald folgten Erweiterungen: 1905 wurde durch die Strassenbahn Schaffhausen – Schleitheim (StSS) die Strecke nach Schleitheim eingeweiht. 1911 erreichte das Tram das Industriegebiet Ebnat und den Waldfriedhof, 1913 folgte die Linie ins Birch zu den Stahlwerken. Auch der Gütertransport spielte eine Rolle. Das Tram war nicht nur Personen-, sondern zeitweise auch Industrieverkehrsmittel.

Eine Fahrt war allerdings kein Schnäppchen: 20 Rappen kostete die Strecke vom Bahnhof nach Neuhausen. Zum Vergleich: Ein Kilogramm Brot kostete 30 Rappen, ein Arbeiter verdiente rund 40 Rappen pro Stunde. Mobilität war wertvoll – und wurde geschätzt.

Zwischen Wachstum und Grenzen

Trotz anfänglicher Erfolge war die Ausbauphase bis 1915 weitgehend abgeschlossen, die Erfolgsgeschichte begrenzt. In den folgenden Jahrzehnten veränderten sich das Umfeld und die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen grundlegend. 

Nach dem Ersten Weltkrieg nahm der motorisierte Individualverkehr zu, neue technische Möglichkeiten entstanden, Strassen wurden breiter, das Auto gewann an Bedeutung. Bereits 1928 wurde die Breite-Linie durch einen Autobusbetrieb ersetzt. 1957 endete der Personenverkehr auf der Linie Bahnhof – Mühlental – Birch.

Autobushaltestelle mit Adlerkreuzung und Verkehr

Der Autobusbetrieb – Rattin AG als Teil der Erfolgsgeschichte

Zur Rolle von Rattin im Autobusbetrieb
Abschied von der Strassenbahn in Schaffhausen, 1966
Tausende Schaffhauser und Neuhauser hatten am 23. September 1966 die Strassen gesäumt, um den letzten Tramwagen zu verabschieden. Die Wagen fuhren bekränzt und mit witzigen wie wehmütigen Sprüchen beschriftet. (Bild: Bruno und Eric Bührer / Stadtarchiv Schaffhausen)

Die Diskussion um die Zukunft der Strassenbahn spitzte sich in den 1950er- und 1960er-Jahren zu. Neue Tramwagen wären nötig gewesen, doch Investitionen erschienen angesichts veränderter Mobilitätsbedürfnisse fraglich. 1964 beschlossen die Stimmbürger mit deutlicher Mehrheit die Einstellung des Strassenbahnbetriebs. Zwei Jahre später war es so weit: Am 23. September 1966 fuhr das letzte Tram durch Schaffhausen.

Ein neues Kapitel: Der Trolleybus

Der Abschied vom Tram war für viele mit Wehmut verbunden – zugleich herrschte Aufbruchstimmung. Bereits am 24. September 1966 nahmen zehn gelbe Trolleybusse den Betrieb auf. Sie hielten direkt am Trottoir, brauchten keine Schienen und versprachen mehr Sicherheit im Strassenraum.

Das Trolleybusnetz wurde in den folgenden Jahren ausgebaut. 1971 brachte die Verlegung der Abgangsstation vom «Adler» an die Bahnhofstrasse eine wesentliche Attraktivierung. Linienverlängerungen nach Neuhausen Herbstäcker und ins Herblingertal in den Folgejahren stärkten die Erschliessung neuer Wohn- und Industriegebiete.

Parallel dazu entwickelte sich auch der klassische Autobusbetrieb weiter. Bereits 1928 war die erste Autobuslinie zum Schützenhaus (Ersatz des Breite-Trams) eröffnet worden. In den Jahrzehnten danach kamen neue Verbindungen hinzu, unter anderem zum Emmersberg (1932), nach St. Niklausen (1948), nach Buchthalen (1949) oder zum Kantonsspital (1954) – neue Stadtteile wurden angebunden.

Eröffnungen neuer Buslinien

  • 1932: Linie auf den Emmersberg
  • 1946: Linie Adler – Sandlöchli
  • 1948: Linie Adler – St. Niklausen
  • 1949: Linie Adler – Buchthalen (Ersatz Postautobetrieb)
  • 1954: Anschluss Kantonsspital
  • 1957: Linie nach Herblingen
  • 1980: Linie Neuhausen SBB – Rosenbergstrasse – Schützenhaus
Berna-Trolleybus auf dem Areal des Busdepots Ebnat, 1911
Ob mit Strom aus der Fahrleitung oder mit Motor unterwegs: Jede Fahrzeuggeneration steht für einen Abschnitt der Schaffhauser öV-Geschichte und für den stetigen Ausbau des Angebots. (Bild: Archiv vbsh)

Alle Busse unter einem Dach

Bis zur Inbetriebnahme des Depots im Ebnat im Jahr 1987 war der Betrieb der Schaffhauser Verkehrsbetriebe auf mehrere Standorte verteilt. Der Trolleybusbetrieb war seit seiner Einführung 1966 weitgehend an die bestehende Infrastruktur des ehemaligen Tramdepots gebunden. Die Anlagen beim heutigen Feuerwehrzentrum dienten als Garage und Werkstatt für die Trolleybusse. Die Einrichtungen waren jedoch ursprünglich für den Trambetrieb konzipiert worden.

Der Autobusbetrieb war durch die Firma Rattin organisiert. Für die Dieselbusse bestanden eigene Abstellmöglichkeiten – etwa bei der Kammgarn. Wartungsarbeiten mussten teilweise an unterschiedlichen Orten durchgeführt werden und auch die betrieblichen Abläufe waren entsprechend fragmentiert. Deshalb war der Neubau des Depots im Ebnat ein Meilenstein.

Einstiegsszene am Bahnhof Schaffhausen, 1999
Bis heute ist der Bahnhof Schaffhausen der zentrale Umsteigeknoten, an dem alle Stadt- und Regionallinien der vbsh zusammenlaufen. (Bild: Archiv vbsh)

Erstmals wurden Trolley- und Autobusbetrieb unter einem Dach vereint. Werkstätten, Verwaltung und Garagierung konnten zusammengeführt werden – ein Schritt hin zu einer einheitlichen Betriebsführung. In den 1990er-Jahren wurde diese Zusammenlegung organisatorisch konsequent weitergeführt.

Mit neuen Gelenkbussen, ersten Busspuren und stetigen Fahrplananpassungen reagierten die Verkehrsbetriebe auf das Wachstum der Stadt und der Industriebetriebe. Der öffentliche Verkehr entlastete die Innenstadt vom Autoverkehr und ermöglichte Mobilität für alle.

Vom Stadtbetrieb zur regionalen Einheit

Zu Beginn des Jahrtausendwechsels rückte die Vision eines «öffentlichen Verkehrs aus einem Guss» in den Vordergrund. Stadt- und Regionalverkehr sollten enger zusammenarbeiten. 2018 stimmte die Bevölkerung der Zusammenführung von städtischem und regionalem Busbetrieb zu. 2019 wurde die neue öffentlich-rechtliche Anstalt gegründet. Seither treten Stadt- und Regionalbuslinien unter einer gemeinsamen Marke auf: vbsh – ganz nach dem Motto «ein Unternehmen und alles unter einem Dach».

Elektrobus beim Obertorkreisel
2018: Schaffhausen beschliesst die Zukunft: Die Stimmbevölkerung ebnet den Weg zur schrittweisen Elektrifizierung der Busflotte. (Bild: Reto Schlatter)

Elektrifizierung – zurück zu den Wurzeln

Ein besonders bedeutender Schritt erfolgte mit der Elektrifizierungsstrategie. Bereits 2017 gab das Stadtparlament grünes Licht für die Planung einer vollständig elektrischen Stadtbusflotte. 2019 sagte auch die städtische Bevölkerung Ja zur Beschaffung der Elektrobusse und zur notwendigen Ladeinfrastruktur. Damit begann eine neue Ära.

Die Einführung der Elektrobusse knüpft an die elektrische Tradition von 1901 an. Was einst mit dem Tram begann und über Jahrzehnte im Trolleybus weiterlebte, findet heute in modernen Batterie- und Schnellladesystemen seine zeitgemässe Form. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2025 verabschiedeten sich die letzten Trolleybusse aus dem regulären Betrieb.

Eine Geschichte, die weitergeht 

125 Jahre vbsh sind 125 Jahre Stadtgeschichte. Von den ersten Gleisen über Diesel- und Trolleybusse bis hin zu autonomen Fahrzeugen und Elektrobusflotten spiegeln die Verkehrsbetriebe die Entwicklung von Schaffhausen wider. Sie haben wirtschaftliche Veränderungen, Kriege, technische Umbrüche und gesellschaftliche Debatten begleitet – und sich stets weiterentwickelt.

Die vbsh verbinden Quartiere, Gemeinden und Generationen. Sie verbinden Menschen mit ihren Zielen und stärken den Wirtschafts- und Lebensraum.

Heute sorgen rund 270 Mitarbeitende dafür, dass täglich tausende Menschen zuverlässig an ihr Ziel gelangen. Sie arbeiten am Steuer, in der Werkstatt, für die Reinigung, in der Planung, in der Ticketkontrolle, im Büro oder im Kundendienst. Ohne ihr Engagement wäre diese Erfolgsgeschichte nicht möglich.

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  • Auf einem ehemaligen Schuttablageplatz entstanden – und heute unverzichtbar: Das Depot an der Ebnatstrasse wurde 1987 eröffnet, 1996 und 2022 erweitert und für die Elektromobilität modernisiert.
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